Bericht des Mannschaftsführers Thomas Spiess:
Manchmal verläuft alles anders als erwartet ....
Am Freitag standen der 1. Mannschaft nur 4 Stammspieler zur Verfügung.
Eigentlich hatten Dieter und ich bereits entschieden, den verbliebenen
Stammspielern die Entscheidung zu lassen, ob sie sich den Auswärtskampf in
Göttingen antun wollen oder nicht. Eigentlich wollten wir den
Mannschaftskampf absagen, die Strafe bezahlen und dafür die Kurverei nach Göttingen
und das Benzingeld sparen.
Doch am Samstag vormittag hat unser Spielleiter telefoniert und geprüft,
wieder telefoniert und nochmals abgewogen und dann mit dem Mannschaftsführer
der 1. telefoniert, überlegt und dann entschieden. Die SF Dellos, Traulsen
und Hapke spielen in der 1., so dass man nach Göttingen "nur" mit
einem Mann weniger fahren kann. Naja, immer noch eine trostlose Aussicht,
aber wenigstens blamiert man sich nicht komplett.
Sonntag morgen. Die Sonne lacht. Während der Hinfahrt fragt Peter noch,
"warum habt ihr den Mannschaftskampf nicht abgesagt, ihr könntet doch
das Benzingeld sparen?" Tja, warum haben wir das nicht gemacht? Warum
muss man sich Schach mit einem Mann weniger bei einem Titelaspiranten in Göttingen
antun? Tja, weil es eben manchmal doch anders kommt als erwartet.
Unsere freundlichen Gegner bekennen kurz nach der Begrüßung und dem Ausfüllen
der Mannschaftsmeldung, dass sie 3 Bretter freilassen müssen. DREI. Wir
sind also nicht die Einzigen, die Probleme mit der Motivation der
Mannschaftsspieler haben.
Unsere Gegner lassen unsere Weißbretter 1, 3 und 5 frei. Da wir Brett 3
freilassen, können Christoph und Jan nach einer Stunde nach Hause fahren.
Nach einer Stunde führen wir als 2-0. 3,5-3-5 würde ein Mannschaftsremis
bedeuten. 4 Brettpunkte wären ein Sieg.
Allerdings sind wir an allen Brettern 100 - 200 DWZ-Punkte schlechter, an
Brett 8 über 300. Und wir haben nur eine Weißpartie. Ich vermute, dass die
Göttinger durchaus optimistisch waren, den Kampf noch zu drehen. Aber dann
kommt es wieder anders als erwartet.
Ralf-Axel bekommt einen Naidorf. Scharfe Stellung, heterogene Rochaden und
gefühlt eine Gewinnstellung. Bei Thomas an Brett 4 wird Reti angetäuscht,
dann aber in so etwas Ähnliches wie Königsindischer Angriff übergeleitet.
Peter hat eine solide, leicht gedrückte Stellung, da der Läufer
eingeschlossen ist. Timo, unsere einzige Weißpartie, investiert den
Anzugsvorteil in einen Eigenbau. Das sieht nach der Eröffnung kritisch aus,
wird aber durchaus hartnäckig verteidigt. An 8 bekommt Thorsten einen
Maroczy. Das sieht der Mannschaftsführer gern, da er hier intensive
Vorkenntnisse aus gemeinsamen Partien weiß.
Bei Thorsten sieht es lange nach remis aus, dann sieht es nach unangenehmem
Zugzwang aus, und als der Mannschaftsführer wieder hoch schaut, steht
Thorsten freudestrahlend vor ihm und verkündet einen Sieg. Wie das gelaufen
ist, ist immer noch unklar und bedarf der Aufklärung. (Die gibt es hier).
Aber das war natürlich
die nächste gute Nachricht des Tages.
Jetzt fehlt nur noch ein Remis für einen Mannschaftspunkt. Und ein Sieg für
einen Mannschaftssieg. Bei Ralf-Axel sieht es lange gut aus, erst in Zeitnot
kippt die Partie. Bei Thomas und Peter ist noch viel Material auf dem
Brett, aber noch nichts Entscheidendes passiert. Und nachdem Timo viel Zeit
investiert hat, sieht die Position wieder haltbar aus. Aber wie würde es
ausgehen bei dem DWZ-Überschuss der Gegner?
Aber jetzt kommt der Geist Dieter Berlins zum Einsatz. Die von ihm
delegierten Ersatzleute spielen sehr gut und halten Ihren DWZ-mäßig überlegenen
Gegnern stand. Erst bekommt auch Peter nach der Zeitkontrolle ein Remis-Amgebot,
das er freudig annimmt, dann erreicht Timo ein sicheres Remis. Damit ist der
Mannschaftssieg schon unter Dach und Dach. Wahnsinn! Erst in der Analyse
stellt Peter fest, dass er aufgrund des besseren Läufers sogar noch
Gewinnchancen gehabt hätte. Tja, aber ein Mannschaftssieg geht sowieso vor.
Da hätte der Mannschaftsführer ohnehin rumgezickt.
Und der Mannschaftsführer ist überglücklich. Und zwar besonders, da der
Ausgang des Mannschaftskampfs mal nicht von seinem Ergebnis in der letzten
Partie abhängt:
In dieser Partie hat sein Gegner mit Weiß nach mehreren Ungenauigkeiten
erst einen - und dann auch noch einen zweiten Bauern eingebüßt. Kurz vor
der Zeitkontrolle opfert Weiß eine Figur für die beiden Bauern und einen
Angriff auf f7 und den weißen König. Schwarz steht fast auf matt - aber
nur fast. Nach der Zeitkontrolle kann Schwarz komplex spielen - oder in ein
übersichtliches und risikoloses Endspiel mit ungleichen Läufern und zwei
Mehrbauern abwickeln. Das sieht zwar gewonnen aus, allerdings nimmt der Göttinger
viel Zeit und findet die remisbringende Aufstellung, so dass die Partie doch
noch remis wird.
Das war von allen eine unerwartete, aber ausgezeichnete Leistung. Die Göttinger
taten mir ein wenig leid. Aber wir hatten diese Saison auch schon solche
gebrauchten Sonntage.
|
|